Ein Leuchtturm wird Attraktion in Bremerhaven
Hallo Seezeichenfreunde
Ihr wisst ja alle, dass der Leuchtturm Großer Vogelsand abgebaut und nach Bremerhaven gebracht wurde. Dort
stand er längere Zeit in einer Ecke des Hafens, niemand wusste, was damit weiter geschehen soll.
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Los geht's vom Hafengelände |
Der Geschäftsführer des neuen Havenhostel in BHV, Herr Grotelüschen, hat nun den Turmkopf übernommen
und will diesen auf seinem Gelände wieder aufstellen und nutzen. In der Überlegung ist, ein Cafe oder eine Bar,
Ausstellungsmöglichkeiten oder Ähnliches zu schaffen.
Über den Weg von der Elbe über das Parken im Hafen bis zum Verbringen zum BLG-Platz auf den Transporter
kann ich leider nichts berichten, aber ich habe den Tag auf der Straße mit begleitet und möchte Euch darüber
etwas erzählen.
Leuchtturm "Großer Vogelsand" steht nun an der Weser!
Es ist nachmittags kurz nach halb drei, als sich 250 Tonnen auf die wenige hundert Meter
lange Reise machen. Der 10-Achser-Selbstfahrer mit seinen 80 Reifen fährt scheinbar
mühelos vom
BLG-Platz runter auf die Straße.
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Der Schwerlasttransporter wird von einer Person gesteuert
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Sämtliche Ampeln, Laternen und Schilder
wurden entlang der Strecke abmontiert und liegen nun am Straßenrand, größere Unebenheiten
wurden mit Sand und darüber mit Stahlplatten geebnet.
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Die Hälfte der Strecke an den Häusern vorbei ist geschafft |
Der Verkehr macht einen kleinen
Umweg, nur eine Vielzahl an Fotoapparaten und Kameras schwirren um den Koloss.
Wenn alles weiterhin so ohne Probleme verläuft, dann wird der Zeitplan wohl einzuhalten
sein und die Aktion wird mit einer Pressekonferenz nach 16:00 Uhr zu Ende gehen.
Aber es sollte doch ganz anders kommen. . . .
Mit deutscher Gründlichkeit fährt hinter dem Transport ein Sicherungsfahrzeug mit
aufgestelltem Schild "Überholen verboten", obwohl ja alles abgesperrt ist und nur
Schaulustige den Weg begleiten können. Vorbei geht es am Supermarkt, Zolltor und
Wohnhäusern. Im Schneckentempo wird jeder Meter genommen, der Diesel brummt eintönig
und treibt die Hydraulik an, nur bei kleineren Lenkbewegungen heult der Motor mächtig auf
um den Druck zu erhöhen. Das Ganze wird gesteuert von einem Mitarbeiter, der sich die
Fernbedienung umgehängt hat und per Kabel verbunden ist.
Nach gut einer halben Stunde geht's nun rechts rum auf das Gelände vom hostel. Auch hier
viel Sand, abgedeckt mit Stahlplatten, damit Fuß-und Radweg nicht zerdrückt werden.
Hier zeigt sich erst richtig die Kraft und Wendigkeit des Transporters. Die Kurve und die
leichte Auffahrt werden ohne Probleme gefahren. Die besondere Beweglichkeit der Achsen
ermöglicht ein zentimetergenaues Rangieren. Aber dann ein Stopp. Die Äste eines hohen
Baumes sind im Weg. In aller Ruhe wird ein großer Autokran in Position gebracht und zwei
Mann mit einer Kettensäge werden vom Mannkorb aus den Baum ein wenig freischneiden.
Und so rollt der Turmkopf weiter in Richtung Abstellplatz, bei bestem Wetter begleitet von
immer mehr Zuschauern.
Ich bin dann im Hostel ganz nach oben an ein Fenster gegangen, da von hier aus nun ein viel
besserer Blick über den gesamten Platz möglich war. Bis auf ein paar andere Leute, die mal
eben kurz fotografieren wollten, hatte ich dann diesen Platz allein, zum Glück. . .
Der genaue Abstellplatz wurde mit Sand und Stahlplatten vorbereitet. Ursprünglich sollte ein
1500 Tonnen Kran den Turmkopf anpicken, anheben, der Wagen fährt raus, absetzen - fertig.
Dieser Riesenkran wurde aber anderweitig eingesetzt und so haben sich ein 400 to und zwei
200 to Autokräne positioniert, um diese Aufgabe zu übernehmen. Ein weiterer großer
Autokran ist zur Unterstützung ebenfalls in Stellung gebracht worden. Das Dröhnen der vier
Motoren, seit Stunden der Vorbereitung, bis, naja, da will ich jetzt noch nichts zu sagen, es
brummt jedenfalls ganz ordentlich.
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Rauf auf's Gelände, es ist nicht mehr weit
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Da muss der Turm zwischen die Kräne positioniert werden |
Noch ein paar Meter den Hof entlang und mit einer scharfen Linkskurve geht es nun zum
Stellplatz, der nur noch etwa 10 Meter genau unter dem Mittelpunkt der drei Kräne liegt.
Fenster, Turm und Kräne sind nun genau in einer Flucht - und so wie sich draussen die Köpfe
in den Himmel recken und ein wenig Unruhe aufkommt, erkenne ich von hier oben sofort:
Das passt nicht, das wird nichts. In dieser Kranstellung kann der Turm nicht zwischen die
Ausleger gebracht werden. Warum nicht?
Weil oben am Hubschrauberlandedeck ringsherum eine Gitterkonstruktion den Durchmesser
des eigentlichen Turmkopfes erheblich vergrößert und die Vielzahl an noch längeren Stangen
mit den Antennen, Windanzeigern und Leuchten im Wege sind.
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Das Gelände mit Hostel und Turm
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Also alles auf Stopp, und die verantworlichen Mitarbeiter und Herr Grotelüschen kommen
zusammen um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Es ist nach 15:30 Uhr. Es gibt nur die Möglichkeit, Stangen abzubauen und ein paar Gitter zu
entfernen um so eine Lücke zu schaffen, dass der Turm zwischen die Kräne manövriert
werden kann und die Ausleger Platz haben. Es wird nun alles zum Abbrennen und Flexen
vorbereitet, das Werkzeug mit dem Hilfskran nach oben gebracht. Die Arbeiter gehen im
Inneren des Turmes nach oben. Doch man kann nicht alle Stellen erreichen die getrennt
werden müssen. Also Kran runter, Mannkorb dran, und von aussen wird abgebrannt und
geflext. Mannkorb aushaken, Gitter nach unten lassen, Korb wieder dran und so weiter. Die
Stangen werden gelöst und nach innen gebogen.
Zum Glück steht der Kran so, dass alle Arbeiten durchgeführt werden können, selbst auf der
gegenüberliegenden Seite zwischen den drei Hauptkränen durch und drüberweg. Das dauert,
die Zeit läuft. Mittlerweile wird's dunkel, kalt und feucht. Zwischendurch werden die Arbeiter
zu einem Essen gerufen, eine Pause wird auch dringend gebraucht. Auch ich werde von Herrn
Grotelüschen mit an den Tisch gebeten.
Endlich, nach 22:00 Uhr, ist alles bereit, die letzten Meter wird der Transport genau in
Position gebracht, für "Fahrer" und Fahrzeug kein Problem. Damit beim Anheben der Turm
sich nicht wegdrehen kann werden noch Seile an starken Zugmaschinen befestigt, um auf
Bewegungen reagieren zu können. Nun nimmt das Anbringen der Stahltrossen, das Verbinden
mit einem Riesenschäkel und Ausrichten der Kräne noch eine ganze Zeit in Anspruch. . .
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Das muß halten... Stahltrossen um das extra eingeschweißte Rohr |
Die Dunkelheit verhindert nun ein weiteres Fotografieren von oben, ausserdem ist echt kein
Zuschauer mehr da, kein Fotoapparat klickt mehr, nur meiner.
Wer mich kennt, der weiß, dass ich für solche Aktionen immer gerne zu haben bin und jetzt
ganz bestimmt nicht aufgebe.
Ich sage also Herrn Grotelüschen, dass ich so das Anpicken oben nicht mehr aufnehmen kann,
worauf er sofort spontan sagt, kommen Sie, dann gehen wir eben rauf auf den Turm. Dem
Vorarbeiter Bescheid gesagt und schon steigen wir im Schein einer Taschenlampe rauf.
Es ist beeindruckend, als ich die Traversen, die dicken Seile, den großen Schäkel und Haken
so aus der Nähe sehen kann.
Wir wollen die Kranleute auch nicht weiter stören, darum kann ich nur ein paar Aufnahmen
machen und wir gehen wieder runter. Es ist nach 23:00 Uhr, und es regnet.
Endlich ist alles bereit und der Turmkopf wird etwas angehoben, der Transporter fährt unter
raus, und endlich, es ist 00:40 Uhr, der Leuchtturm Großer Vogelsand steht auf festem Boden
auf dem Gelände des Havenhostel in Bremerhaven.
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Wagen weg, gleich steht der Turm auf festem Boden
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Noch ein Glückwunsch an Herrn Grotelüschen und ein kurzer Schnack und ich fahre nach
Hause. So verlief ein Tag, der so von allen Beteiligten nicht geplant und vorhersehbar war.
Das Dröhnen der Diesel klingt immer noch in meinen Ohren.
Text und Fotos ©
Volker Siemers